Aufrüstung im Tierreich – was macht Tiere giftig?

„Fressen und gefressen werden“ – dieses Gesetz beherrscht das Leben auf der Erde. Kleine Tiere werden von größeren gefressen und diese wiederum von noch größeren. Um zu überleben, haben sich die Tiere wirkungsvolle Strategien einfallen lassen. Einige haben sich an ihre Umgebung durch Tarnung so gut angepasst, dass sie schlicht übersehen werden.

Andere haben in ihrem Körper Gifte gebildet, mit denen sie sich gegen Angreifer wehren. Gelegentlich werden diese auch deutlich durch eine auffällige Warnfärbung, wie beispielsweise die gelb-schwarzen Streifen bei Wespen, gewarnt.

Die Wirkung und Einsatzweise des Gifts ist sehr verschieden. Bienen und Wespen haben z.B. einen Giftstachel, den sie hauptsächlich zur Abwehr nutzen, wenn sie bedrängt werden. Wespen setzen ihren Stachel aber auch ein, um kleinere Insekten zu erbeuten. Durch ihre Wespentaille sind sie sehr wendig und können ihren Giftstachel gut in Position bringen.

Schlangen haben Giftzähne, die sie hauptsächlich zur Jagd von Beute einsetzen. Das Gift hilft ihnen aber auch bei der Verdauung ihrer Beute im Magen. In Deutschland gibt es nur zwei für den Menschen giftige Schlangenarten, nämlich die Kreuzotter und die Aspisviper. Sie sind beide inzwischen sehr selten und ihre Bissverletzung verläuft selten tödlich.

Viele Spinnen, wie zum Beispiel die Wespenspinne, haben Giftklauen. Sie lähmen damit ihre Beute, die sich in ihrem Netz verfangen hat und wickeln sie darin ein. Die Weichteile der Beute werden durch injiziertes Gift verflüssigt und dann ausgesaugt. Für den Menschen ist der Biss einer heimischen Spinne nicht gefährlich und verursacht nur leichte Schmerzen, die mit einem Bienenstich vergleichbar sind. Nur die aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland eingewanderte Dornfingerspinne ist für den Menschen giftig, jedoch nicht tödlich. Da diese Spinnenart in Deutschland aber bisher noch sehr selten vorkommt, ist eine Begegnung mit ihr oder gar ein Biss sehr unwahrscheinlich.

Viele Amphibien – etwa Erdkröte, Gelbbauchunke oder der Feuersalamander – geben giftige Stoffe über ihre Haut ab. Beim Feuersalamander kann man die Drüsen am Kopf als schwarze Punkte erkennen. Am besten ist es, ihn nicht anzufassen, da der Kontakt mit Schleimhäuten (Augen, Mund, Nase) Reizungen verursachen kann. Hunde oder Katzen können auch sterben, wenn sie einen Salamander fressen.

Am giftigsten
Das giftigste Tier der Welt ist die Seewespe, eine Quallenart, die im Meer vor Australien vorkommt. Sie könnte mit ihrem Gift 250 Menschen auf einen Schlag töten. Sie jagt kleine Fische und Garnelen im Uferbereich. Als Fangarme besitzt sie bis zu 60 Tentakel, die bis zu 3 m lang sein können. Das Nesselgift verursacht Muskel- und Atemlähmung sowie Herz-Kreislaufstörungen. In Australien werden daher Badestrände zum Meer hin mit Netzen abgeschirmt oder man trägt einen speziellen Ganzkörper-Badeanzug, der das Gift nicht durchlässt.

Die giftigste Schlange der Welt ist der Inland-Taipan, der ebenfalls aus Australien kommt. Er ist hell- oder dunkelbraun gefärbt, bis zu 3 m lang und lebt im Zentrum und in den Wüstengebieten des Landes. Zur Hauptnahrung des Inland-Taipans gehören Kleinsäuger so wie Ratten. Diese Schlangenart gilt als scheu und versucht bei einer Bedrohung immer zu fliehen. Zu Attacken gegen den Menschen kommt es nur, wenn die Schlange in die Enge getrieben wird.

Gifttiere im Urlaub?
In Deutschland leben nur wenige giftige Tiere, die für den Menschen gefährlich sein können. Im Ausland könnt ihr aber Tiere treffen, die eine große Gefahr für uns Menschen darstellen können. In Australien beispielsweise leben die giftigsten Tiere der Welt.

Hier einige Tiere, denen ihr in eurem Urlaub begegnen könnt:

Erdbeerfrosch: Diese farbenfrohe Froschart lebt in tropischen Wäldern Panamas, Nicaraguas und Costa Ricas; sie gehört in die Familie der Pfeilgiftfrösche. Die Ureinwohner verwendeten das Gift dieser Frösche Jahrhunderte lang als tödliches Pfeilgift. Im Englischen wird der knallrote Frosch mit den dunkelblauen Beinen auch „Blue jeans frog“ genannt.

Aga-Kröte: Sie stammt ursprünglich aus Mittelamerika und dem nördlichen Südamerika. Vom Menschen wurde sie jedoch als Schädlingsfresser in Zuckerrohrplantagen wie in Australien angesiedelt. Dort stellt sie aufgrund ihrer Giftigkeit und Gefräßigkeit eine große Bedrohung für die heimische Tierwelt dar.

Gelbbauch-Seeschlange: Die Gelbbauch-Seeschlange ist im offenen Meer tropischer Regionen anzutreffen. Seeschlangen besitzen ein besonders starkes Gift, da sie aufgrund ihrer Langsamkeit ihre Beute nicht, wie die an Land lebenden Verwandten, verfolgen können.

Julia Römheld und Natascha Neuhaus