Alle ziehen an einem Strang – nur in verschiedene Richtungen

Im Umwelt- und Naturschutz geht viel zu wenig voran. Das liegt nicht zuletzt an bestimmten Personengruppen, wie beispielsweise Politikern, Wirtschaftsvertretern oder Landwirtschaftsverbänden, aber paradoxerweise auch an Umwelt- und Naturschützern selbst. Besonderes Konfliktpotential ergibt sich bei der Energiewende:

Zur Erinnerung

Nachdem die Anti-Atomkraft-Bewegung sich seit den 70er Jahren für einen Atomausstieg eingesetzt hatte [1], wurde im Jahre 2000 von der damaligen rot-grünen Regierung eine schrittweise Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke beschlossen. Zehn Jahre später wurden unter der schwarz-gelben Bundesregierung die Abschaltzeitpunkte deutlich nach hinten verschoben, ein Jahr später, nach der Fukushima-Katastrophe, wieder vorverschoben. Neu war allerdings, dass der Atomausstieg etwas verspätet war und die Betreiber den Staat nun erfolgreich auf Schadensersatz für die, durch den erneut beschlossenen Atomausstieg entgangenen, Gewinne verklagen konnten [2].

Inzwischen gibt es in Deutschland auch eine starke Opposition gegen Kohle, die allerdings noch nicht ganz so erfolgreich war.

Darüber, dass man von Kohle, Öl, Gas und Atomstrom wegkommen sollte, besteht wohl weitestgehend Einigkeit. Über die Alternativen nicht.

Windkraft

Windkraft ist nach Kohle die zweitertragreichste Stromquelle in Deutschland (Stand 2018) [8]. Windräder sind platzsparend und die für den Bau aufgewandte Energie wird schnell wieder erzeugt [9]. Trotz allem stößt Windkraft immer wieder auf Widerstand. Ein aus Naturschutzsicht relevanter Kritikpunkt ist, dass die sich schnell bewegende Rotorblätter Vögel erschlagen können. Insbesondere große Greifvögel, die oft ohnehin schon vom Aussterben bedroht sind, sind davon betroffen. Auch der Bruterfolg scheint in der Nähe von Windparks bei einigen Arten zu sinken [10]. Deswegen klagen Naturschutzverbände immer wieder gegen Windkraftanlagen, bei deren Planung der Artenschutz nur unzureichend berücksichtigt wurde.

Es gibt allerdings nicht nur sinnvolle Kritik an Windkraft. Beispiele dafür sind das Argument einer „Verspargelung der Landschaft“, das es sogar in AfD Kampagnen geschafft hat [3], oder wissenschaftliche Veröffentlichungen von zweifelhafter (*) Qualität, die einen Zusammenhang zwischen Insektensterben und Windkraft herstellen wollen [4] [5] [6].

Einige Organisationen, insbesondere aus dem rechtsextremen Spektrum, nutzen diese komplexe Situation aus, um Kampagnen, die sich gegen Umweltschutz und die Energiewende richten, so darzustellen, als würden sie sich für Natur und Artenschutz einsetzen.

Die Naturschutzverbände distanzieren sich sehr klar von solchen Darstellungen [11] [12].

Wasserkraft

Weltweit ist Wasserkraft die ertragreichste nicht fossile Energiequelle [13]. Es entstehen nur geringe CO2-Emissionen und als praktischer Nebeneffekt können Stauseen auch noch Trinkwasser speichern.

Sie bringt jedoch oft massive Eingriffe in die Landschaft mit sich. Für Fische stellen Wasserkraftwerke dementsprechend unüberwindbare Barrieren dar. Durch Änderungen am Grundwasserspiegel werden Lebensräume überflutet oder trockengelegt und Ökosysteme zerstört.

Auch kleine Kraftwerke richten erhebliche Umweltschäden an. Deshalb stehen deutsche Umweltschutzverbände dieser Energiequelle sehr kritisch gegenüber [14] [15].

Andere Energiequellen

Auch die meisten anderen erneuerbaren Energiequellen weisen aus Natur- und Umweltschutzsicht problematische Aspekte auf. Gleichzeitig ist es für den Erhalt unserer Ökosysteme unbedingt notwendig, von fossilen Energieträgern weg zu kommen und auch Kernenergie stellt keine sinnvolle Alternative dar.

Fazit

Ziel der Energiewende ist natürlich auch der Klimaschutz. Denn es ist unbedingt nötig, viel weniger Treibhausgase auszustoßen. Und zum Klimaschutz gehört auch eine Verkehrs- und Agrarwende. Diese muss den ÖPNV fördern und Neubau von Straßen und Flughäfen einschränken. Wir brauchen eine bäuerliche, klimafreundliche und ökologischere Landwirtschaft und Tierhaltung.
Dafür ist es wichtig, miteinander statt gegeneinander zu reden, um solche Ziele gemeinsam zu erreichen!

Tobias Guggenmos

Quellen und zusätzliche Materialien: https://naju-bayern.de/nf20#24