Do it yourself – Der insektenfreundliche Garten

Jeder, der schon einmal in eine Biene getreten ist, fragt sich vielleicht, warum ein summender Garten das Ideal eines Gärtners sein sollte. Aber habt ihr euch schon einmal Zeit genommen, einer Biene oder Hummel genauer zuzuschauen? Das sind niedliche Tierchen, die (meistens) friedlich mit den Menschen koexistieren. Und wer in seinem Garten Äpfel oder Kirschen ernten will, der benötigt ohnehin die Unterstützung der Insekten. Es lohnt sich also, Hummeln, Bienen und Schmetterlinge in seinen Garten zu locken. Wie das gelingen kann, zeigen unsere Tipps.

Ein Herz für Unkraut

Kaisermäntel erfreuen sich an Kugeldisteln

Gärten formal und ordentlich anzulegen, hat eine lange Tradition, schafft für die Tierwelt allerdings ungünstige Bedingungen. Rasen – ehemals ein Zeichen dafür, dass man reich genug war, um seinen Garten nicht als Gemüsebeet nutzen zu müssen – ist für kaum eine Spezies ein Lebensraum. Benötigt wird ein vielfältiges Pollen- und Nektarangebot zu verschiedenen Jahreszeiten, damit die Insekten sich dauerhaft ernähren können. Dafür sind neben typischen Gartenpflanzen wie Lavendel und Sonnenhut auch viele Pflanzen nützlich, die bei uns als Unkraut verschrien sind – Schafgarbe, Brennnesseln und Disteln. Das stachlige Zeug soll natürlich nicht den ganzen Garten überwuchern, doch wenn ein Fleckchen nicht gebraucht wird, könntest du einmal überlegen, ob es nicht stehen bleiben kann.

Äußere und Innere Schönheit

Hübsch und Bienenfreundlich

Wer sich gestalterisch austoben mag, dem ist natürlich auch die Optik der Pflanzen wichtig. Dies stellt keinen Widerspruch zu ökologisch sinnvollen Pflanzen dar, da viele der attraktiven Pflanzen Insektenweide sind. Allerdings ist hier auch ein wenig Vorsicht geboten: Manch eine Blüte sieht zwar toll aus, beinhaltet jedoch keinen Nektar mehr. Der Optik wegen werden die Staubblätter zu Kronblättern umgezüchtet und sind damit für Bestäuber wertlos.

Doch selbst wenn es sich um Züchtungen handelt, die mit dem Prädikat „bienenfreundlich‟ beschrieben werden, ist man nicht zwangsläufig auf der sicheren Seite. Häufig ist bereits das Saatgut gebeizt, also vergiftet, um vor Schädlingen sicher zu sein. Doch diese Gifte treffen auch die Bestäuber der Pflanzen, sodass das vermeintlich gute Blühangebot zu einer tödlichen Falle wird. Vermeiden lässt sich dies durch bio-zertifizierte Pflanzen oder Saatgut.

Bunt, bunt, bunt sind alle meine Wiesen

Kornblumen in einer Blühwiese

Ist in den Beeten kein Platz mehr, kannst du auch deine Wiesenfläche attraktiver gestalten, indem du den Rasen Schritt für Schritt in eine Wildblumenwiese verwandelst. Das Schöne daran ist, dass Faulheit hier nicht nur erlaubt, sondern explizit erwünscht ist: kein Vertikutieren, nur einmal im Jahr Rasenmähen und den Blumen beim Wachsen zusehen.

Na gut, das ist natürlich ein bisschen gemogelt. Wer eine richtige Blühwiese will, muss den Boden mager halten, das bedeutet, der Grünschnitt darf nicht liegen bleiben, sondern muss zusammengerecht werden. Und wer insektenfreundlich mähen will, der greift am besten zur Sense (oder bei großen Flächen zum Balkenmäher), um die Larven nicht zu verletzen. Aber hey, so sparst du dir immerhin das Fitnessstudio.

Mehr als Grünzeug

Totholz erfreut viele Insekten

Nicht nur das Nahrungsangebot ist für die Insekten entscheidend, sondern auch, ob sie geeignete Versteckmöglichkeiten und Brutplätze finden. Dabei kann man sie unterstützen, indem man seinen Garten strukturreich anlegt. Sand- und Erdflächen sowie unbepflanzte Bereiche werden etwa gerne von Solitärbienen angenommen. Verschiedene Käferarten kann man durch Totholz oder Steinhügel erfreuen. Da die Insekten auch Wasser benötigen, kann man sie zudem durch ein Wasserangebot unterstützen. Eine Vogeltränke oder ein mit Wasserpflanzen bestückter Trog helfen nicht nur der Gartenfauna, sondern sind auch ein optisches Highlight im Garten.

Weitere Empfehlungen

Wenn du dich noch genauer informieren willst, legen wir dir die Lektüre des Buches „Wildlife Gardening – Die Kunst, im eigenen Garten die Welt zu retten‟ von Dave Goulson, einem britischen Hummelforscher ans Herz.

Biosaatgut für Insektenweide – insbesondere für Bienen – findest du zum Beispiel unter: https://www.biogartenbedarf.de/bio-saatgut/bienenweide-saatgut/

Von Marie Braun, Margarete Drexler - 17. August 2021