Aufgeben kommt nicht in Frage!

Von einem Tag ohne Plastik, zwischen Verzweiflungsanfällen und dem schönsten plastikfreien Ort der Welt.

Ich bin vorbereitet. Vorsorglich habe ich mir einen Tag freigenommen, auch wenn die Diskussionen mit meiner Chefin sicher spannend geworden wäre: „Nein, ich werde heute keine Mails bearbeiten und ohne plastikfreien Spitzer muss ich meinen Bleistift eben mit dem Taschenmesser bearbeiten“. Auch meinen Wecker habe ich nicht gestellt, weil ich gleich am Anfang des Tages wohl oder übel auf die Plastiktaste hätte drücken müssen – mehrfach. So früh wollte ich mit dem Versuch einen Tag ohne Plastik zu leben dann doch nicht scheitern. Ich wusste aber auch, dass es ziemlich schwer werden würde, einen ganzen Tag nichts zu nutzen oder zu berühren, was ganz oder teilweise aus Plastik ist. Entsprechend gestehe ich mir drei Ausnahmen zu.

Die Unterhose ist ok

Und ich nehme mir vor das Ganze nicht bis ins winzigste Detail zu betreiben. Meine Unterhose, die zwar zum größten Teil aus Baumwolle besteht aber mit Plastikfäden zusammengenäht ist, ziehe ich also an. Dazu ein Shirt und eine Leinenhose. Danach freue ich mich, dass meine Altbaufenster noch aus Holz und Metall sind und ich die frische Morgenluft hineinlassen kann. Das war´s dann aber schon mit einem einfachen Morgen. Meine Lieblings-CD – Plastik. Wasserkocher und Kaffeemaschine – Plastik. Die Griffe der Besteckschublade – Plastik. Und die selbstgemachte Erdbeermarmelade im Kühlschrank – ihr wisst schon. Ich entscheide mich dafür Brot in Honig zu tunken und meinen ersten Joker in einen Kaffee zu verwandeln.

Wie war das früher?

Geduscht habe ich gestern Abend. Aber bei der Toilette komme ich nicht um einen weiteren Joker herum: Spülkasten und Klobrille sind aus Kunststoff. Meine letzte Ausnahme geht für die Zahnbürste drauf. Vielleicht sollte ich an diesem sonnigen Tag einfach raus aus dem Haus und mit einem Freund ein Eis – natürlich in der Waffel – essen gehen. Im letzten Moment merke ich aber, dass Handy und Telefon auch tabu sind. Kurz überlege ich einfach mit dem Rad zu ihm zu fahren, aber auch das ist nicht frei von Plastik. Mal ganz abgesehen von meinen Schuhsohlen. Ich bin genervt und frage mich langsam, warum ich diesen Selbstversuch eigentlich mache und ob ich auf die Schnelle noch sinnvolle Ausnahmen erfinden könnte. Aber nein, das Erdöl der Welt hält immer noch nicht ewig, der Plastikmüll auf der Welt zaubert sich nicht von alleine weg und Aufgeben kommt nicht in Frage

A Maß Wasser bittschön!

Immerhin ist mein Hausschlüssel aus Metall und es ist draußen so warm, dass man auch barfuß vor die Tür gehen kann. Ich mache mich also auf die Suche nach einer Glasflasche, finde aber keine. Am Ende fülle ich einen Bierkrug mit Wasser und verlasse die eigenen vier Wände. Die Menschen, denen ich begegne schauen verwundert. Ich hoffe es liegt am vor sich hin schwappenden Bierkrug.  Von einer älteren Frau werde ich gefragt, was ich mit dem Krug Wasser vorhabe. Kurz überlege ich ihr zu zeigen wie gut man sich damit erfrischen kann, erzähle ihr dann aber doch lieber von meinem Experiment. Wir kommen ins Gespräch und regen uns gemeinsam auf über die Einpackwut bei Obst und Gemüse. Am Ende verschwindet sie kurz in ihrem Garten und schenkt mir eine Hand Äpfel. Ein wunderbares Gespräch – plastikfrei.

Und morgen?

Ich laufe weiter in Richtung Wald und erinnere mich an eine Lichtung, die ich vor einem Jahr entdeckt habe. Nach ein paar Metern Unterholz liege ich nun auf weichem Moos, lasse mir einen der Äpfel schmecken und genieße die Ruhe. Der Ärger über mein halbes Frühstück ist verflogen. Vielleicht ist es das, was mir dieser Tag gebracht hat: Raus auf´s Land, in den Wald oder einfach nur vor die Tür. Morgen geh ich auf den Markt, unverpacktes Gemüse kaufen. Zum Aufstehen gibt es aber wieder meine Lieblings-CD.