Neue Nationalparks: gar nicht so einfach

Mehr Nationalparks!
So ein Nationalpark ist doch eigentlich etwas tolles, oder? Er schützt die Umwelt und es wird darauf geachtet, dass sich Pflanzen und Tiere ungestört vom Menschen entwickeln können. Noch dazu bietet er die perfekte Möglichkeit dafür, wilde Natur hautnah erleben und beobachten zu können. Ein Nationalpark leistet außerdem einen großen Anteil daran, die Artenvielfalt zu erhalten, indem er sichere Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen schafft. Einen Nationalpark zu gründen und zu führen, der ganz sich selbst überlassen ist, ist allerdings nicht immer ganz so einfach.

Der "Ruf" der Wildnis
Während heute schon viele Menschen nachvollziehen können, dass man die Natur auch mal sich selbst überlassen muss, war das früher nicht so. Vor etwa 10 Jahren wurden ungenutzte Flächen noch als etwas Negatives angesehen und Wildnis hatte keinen sehr guten Ruf. Es fiel den Menschen unglaublich schwer die Natur in Ruhe zu lassen, nicht gegen "Plagen" wie Borkenkäfer vorzugehen oder tote Bäume liegen zu lassen. Es liegt also unter anderem an den traditionellen Wertevorstellungen, dass zum Beispiel vor etwa 35 Jahren für den ersten deutschen Nationalpark keine natürliche Entwicklung des Ökosystems vorgesehen war, und dass Nationalparks in Deutschland damals sogar als "nicht sinnvoll" erklärt wurden.

Wirtschaft und Naturschutz
Auch wirtschaftliche Interessen spielen eine große Rolle bei der Ausweisung von neuen Schutzgebieten. Vor allem die Holzindustrie möchte auf so wenig Fläche wie möglich verzichten, schließlich ist Holz ein vielfältiger Rohstoff, den man teuer verkaufen kann. Aber auch Jagd und Fischerei spielen eine Rolle, da man auch in diesen Bereichen Geld verdienen kann. Und ist ein Gebiet erst einmal als Nationalpark ausgeschrieben, dürfen weder Bäume gefällt, noch darf gejagt und geangelt werden. Somit finden sich schon allein aus diesen Gründen ausreichend Gegner, die einen neuen Nationalpark ablehnen. Wirtschaft steht aber nicht immer im Gegensatz zu Naturschutz, was vor allem am Beispiel Tourismus deutlich wird. Viele Nationalparks sind für Besucher ausgelegt, es gibt extra angelegte Wege, Aussichtspunkte, Führungen, es entstehen neue Hotels und Arbeitsplätze. Wichtig ist dabei allerdings immer, dass Natur und Tiere im Nationalpark nicht geschädigt oder gestört werden.

Fazit
Man erkennt also durchaus eine positive Entwicklung. Die Natur wird wieder sich selbst überlassen, in Deutschland bereits ausgestorbene Tierarten werden wieder angesiedelt, und der Mensch kann daraus sogar Profit ziehen, indem er die Anziehung welche die Parks auf Touristen ausüben, nutzt. Doch leider gibt es immer noch Ablehnung in der Bevölkerung gegenüber neuen Parks. Das aktuellste Beispiel ist wohl der seit langem geplante Nationalpark Steigerwald, über den auch gesondert ein Artikel im Nestflüchter zu finden ist, dessen Verwirklichung massiver Wiederstand, vor allem aus der Holzindustrie, im Wege steht. Ich hoffe dass in Zukunft immer mehr Menschen erkennen, wie viel positives ein solcher Nationalpark mit sich bringt und auch bei der Entstehung neuer Parks, zum Beispiel durch Unterschriften, mithelfen.

Alessandro Schwemmer

Quellen:
Natur Natur sein lassen, In: Nationalpark, 1/2007
http://www.geographie.uni-erlangen.de/projects/exnambots/konfliktfelder.html (26.9.2013)