Zerstörtes Sumpfland im Irak unter Schutz?

Das Paradies soll Nationalpark werden
Ökotourismus im Irak? Das klingt für uns wie ein schlechter Witz. Wo nahezu täglich Nachrichten von explodierenden Autobomben herkommen, will doch keiner hin! Doch die schlechte Sicherheitslage verbirgt uns Europäern, dass es auch im Irak artenreiche und sensible Ökosysteme gibt. Diese zu schützen hat sich der Ingenieur Azzam Alwash zur Aufgabe gemacht. Der Iraker, der mit 19 Jahren in die USA auswanderte, verbrachte seine Kindheit in den 1960er-Jahren im Süden des Wüstenstaates - mitten im mesopotamischen Sumpfland. Das Gebiet der so genannten Marsch-Araber, einer irakisch-beduinischen Bevölkerungsgruppe, will der Mittfünfziger nun zum ersten Nationalpark des Iraks erklären.

Adam, Eva und der verbotene Baum
Das Marschland ist reich an Geschichte und Mythologie. Glaubt man der Paradieserzählung mit Adam, Eva und dem verbotenen Baum, stammen alle Menschen der Welt aus den Sümpfen zwischen Euphrat und Tigris, wo Wissenschaftler den biblischen "Garten Eden" verorten. Die Sumerer erfanden hier die Schrift, als wir Europäer noch in Höhlen lebten. Die "Marsh Arabs" sind die Nachfahren der Sumerer. Sie leben von den Gaben der Natur: fangen Fische, bauen Schilfhäuser, halten Wasserbüffel.

Saddam legt den Sumpf trocken
Zudem war der "Garten Eden" mit 20.000 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Ökosystem im mittleren Osten. Bis Saddam Hussein, der damalige irakische Diktator, im Golfkrieg 1991 einen Aufstand der Marsch-Araber niederschlug - und fast die gesamte Sumpflandschaft trockenlegte. An die 200.000 Menschen mussten fliehen und ihre naturnahe Lebensweise aufgeben. Der Neubeginn, den Azzam Alwash zu Beginn dieses Jahrtausends startete, ist mühsam. Doch es gibt Erfolge: Etwa die Hälfte des ehemals überfluteten Gebiets steht heute wieder unter Wasser. Seltene Vogel- und Fischarten, die schon ausgestorben schienen, kehren in die Sümpfe zurück. Auch die Marsch-Araber.

Riesen-Staudämme in der Türkei
Es gibt aber auch noch genug zu tun für den Nationalpark. Der Türkei wird Azzam zum Beispiel noch ins Gewissen reden müssen. Dort entspringen nämlich Euphrat und Tigris, und dort bauen die Türken gerade immer mehr Riesen-Staudämme. Über 2.000 Kilometer weiter flussabwärts, im Sumpfland, kommt immer weniger Wasser an. Ein großes Problem ist auch, dass sich kaum ein Tourist in dieses Gebiet verirrt. Azzam Alwash träumt davon, dass das einmal anders sein wird. In einem Youtube-Video sitzt er neben Schilfgräsern am Sumpf und sagt: "Sage niemals, es kann nichts werden. Das sagten sie vor zehn Jahren auch zur Nationalpark-Idee".

Youtube-Link: www.youtube.com/watch (29.09.2013)

Film-Tipp zum Thema: "Climate Crimes" von Ulrich Eichelmann.

Johannes Kronau

Quellen:
www.spiegel.de/reise/aktuell/garten-eden-erster-nationalpark-im-irak-a-914942.html (29.09.2013) (mit Fotos von Reuters, AP und afp)
www.nytimes.com/2013/04/18/world/middleeast/restoring-iraqs-garden-of-eden.html (29.09.2013)
riverwatch.eu/allgemein/garten-eden-irak-will-ersten-nationalpark-eroffnen (29.09.2013)