Palmölplantagen oder Regenwald?

Margarine, streichzart aus dem Kühlschrank, Pizza fix und fertig einfach nur zum in den Ofen schieben, und nicht mal mehr der Kuchen muss selber gebacken, sondern kann im Supermarkt gekauft werden. Ja, wir werden von der Lebensmittelindustrie ganz schön verwöhnt, doch: wie geht das eigentlich? Was ermöglicht die Herstellung dieser Lebensmittel? Die Antwort ist so simpel wie auch Besorgnis erregend zugleich: Palmöl. Vielleicht hast du schon einmal etwas darüber gehört oder gelesen. Möglicherweise im Fernsehen, in einer Zeitschrift oder, ganz klein geschrieben, auf deinem Lieblingsschokoriegel...

Was ist Palmöl und wo kommt es her?
Palmöl und Palmkernöl sind Öle, die aus den Früchten von Ölpalmen gewonnen werden. Diese Pflanzen wachsen in den tropischen Regionen unserer Erde. Also an Orten, wo natürlicherweise tropischer Regenwald wächst. Solche Gebiete liegen zum Beispiel in Südostasien oder in bestimmten Bereichen Südamerikas. Indonesien und Malaysia z.B. sind führende Nationen im Anbau von Palmölplantagen, sie erzeugen 85 % der weltweiten Palmölproduktion.

Der Ölpalmenanbau und seine Folgen
Um möglichst viel Palmöl zu erzeugen, werden große Plantagen angelegt, auf denen ausschließlich Ölpalmen angepflanzt werden. Um diese sogenannten Monokulturen anzulegen, müssen alte Urwälder mit ihren vielen Tier- und Pflanzenarten verschwinden, wie etwa der Orang-Utan, der in Südostasien beheimatet ist. Da die Kosten bei solch großen Plantagen möglichst gering gehalten werden müssen, werden die Wälder in der Regel brandgerodet. Dabei wird jede Menge Kohlendioxid freigesetzt, welches den Treibhauseffekt beschleunigt. Auch Menschen, die schon seit Generationen in den Regenwaldregionen leben, sind negativ von dem Abholzen der Wälder betroffen. Oft verlieren sie ihr Land, von dem sie sich ernährt haben, und arbeiten für die Besitzer der Plantagen für einen Hungerlohn. Im Grunde genommen verlieren sie ihre gesamte Nahrungs- und Lebensgrundlage. Viele Organisationen versuchen dagegen anzugehen, kämpfen gegen die Zerstörung der Wälder und für die Rechte der Menschen. Das ist jedoch gar nicht so einfach, denn oft sind sie auf Spenden angewiesen, da die großen Industriellen der Wirtschaft am längeren Hebel sitzen.

Warum gerade Palmöl?
Palmöl ist eines der billigsten Öle. Durch seinen chemischen Aufbau ist das Öl lange haltbar und vergleichsweise hitzebeständig, deswegen kann es für die Herstellung sehr vieler Produkte benutzt werden. Zwar könnten häufig auch andere Öle verwendet werden, für die keine Regenwälder abgeholzt werden müssten, allerdings sind diese Öle meist teurer.

Wo ist überall Palmöl drin?
Palmöl findet sich in sehr vielen Produkten, die du sicherlich auch benutzt oder isst. Oft ist Palmöl in Süßigkeiten, Speiseölen und Fertigprodukten. Margarine wird damit streichzart und das Eis schmilzt zart dahin. Auf den Zutatenlisten wird Palmöl oder Palmkernöl manchmal genannt, was bei Bioprodukten häufig der Fall ist. Oft steht auf der Packung jedoch nur, dass pflanzliche Fette enthalten sind, wobei es sich meistens um Palmöl handelt. Palmöl wird jedoch nicht nur für Lebensmittel verwendet, sondern findet sich auch in vielen weiteren Produkten, die Fette oder Öle enthalten. So wird es etwa für die Herstellung von Waschmitteln, Kerzen oder Seifen verwendet, um nur einige Beispiele zu nennen. Vor allem ist es aber auch im sogenannten „Biosprit“ enthalten, dessen Bedarf immer weiter ansteigt.

Palmöl aus Ökobetrieben?
Ja, Palmöl wird auch in „Ökobetrieben“ angebaut, allerdings nur sehr selten. Auf diesen Flächen werden keine Pflanzen- oder Insektengifte eingesetzt und es wird auf viele Maschinen verzichtet. Oft sind die Arbeitsbedingungen für Bauern in diesen Betrieben besser als in herkömmlichen Unternehmen. Manchmal wird sogar ein Teil des Grundstückes nicht für den Palmölanbau genutzt, wodurch dort wenigstens ein paar wilde Pflanzen- und Tierarten leben können. Allerdings ist festzuhalten, dass Palmölplantagen immer in Regionen des tropischen Regenwaldes zu finden sind, wofür viele Wälder erst abgeholzt werden müssen.

Maike Fischer und Janika Ducks