Durch die Hölle auf den Teller - Massentierhaltung in Deutschland

Werbespots, in denen man glückliche Kühe mit ihren Kälbern auf der Weide grasen sieht, und Fotos von frei herumlaufenden Hühnern auf dem Bauernhof entsprechen in Deutschland mittlerweile leider immer seltener der Realität. Der Großteil von Fleisch, Milch und Eiern wird nämlich heutzutage in so genannter „konventioneller Tierhaltung“ erzeugt, die umgangssprachlich auch als Massentierhaltung bezeichnet wird.

Profit durch das Züchten einer „eierlegenden Wollmilchsau“
Die Inhaber eines Massentierhaltungsbetriebes haben im Normalfall nur ein Ziel, nämlich möglichst viel Geld zu verdienen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Tierrassen, die extra für die Massentierhaltung gezüchtet wurden. So gibt es beispielsweise Kühe, die überdurchschnittlich viel Milch, nämlich bis zu 50 Liter pro Tag produzieren, oder die Putenrasse „Big6“, die sehr schnell zunimmt und eine besonders große Brustmuskulatur entwickelt. Hühnerarten brauchen in konventioneller Tierhaltung etwa 30-35 Tage, bis sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben – „normale“ Hühner, so wie wir sie kennen, brauchen dafür aber ganze 12-22 Wochen! Diese Eigenschaften bringen für die Betriebe natürlich viele Vorteile mit sich, die Tiere selbst erleiden dadurch aber große Schmerzen: Hühner und Puten haben zum Beispiel Gleichgewichtsstörungen und können sich wegen ihres Übergewichtes früher oder später nicht mehr auf ihren eigenen Beinen halten. Durch das ständige Liegen (aufgrund mangelnder Hygiene häufig im eigenen Kot) entstehen häufig schmerzhafte Entzündungen. Auch ihre Knochen sind eine so ungleichmäßige Belastung nicht gewohnt, und verformte Skelette kommen daher nicht selten vor.

Artgerechte Haltung? Fehlanzeige!
In konventionellen Betrieben herrscht stets extremer Platzmangel. Einem Huhn zum Beispiel, steht zum Leben nur etwa die Fläche eines DINA5 Blattes zu. Ihr werdet euch fragen: Kann das in Deutschland legal sein? Ja, denn diese Haltungsbedingungen werden gesetzlich gebilligt, obwohl natürlich eigentlich jeder weiß, dass Tiere unter solchen Umständen leiden.

Durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit kommt es zum Beschäftigungsmangel der Tiere, welche in freier Natur eigentlich ständig auf Achse wären. Deshalb entwickeln viele Tiere in der Massentierhaltung Verhaltensstörungen: von aggressivem Verhalten gegenüber Artgenossen über Selbstverletzung bis hin zu Kannibalismus. Um Verletzungen vorzubeugen ist es deshalb in der Schweinezucht Gang und Gäbe, jungen Schweinen ohne Betäubung die Schwänze abzukneifen, damit Artgenossen nicht anfangen, daran zu kauen.

Grausame Schlachtmethoden
Nachdem die Tiere all diese Qualen überstanden haben, geht’s gleich weiter zum Schlachter. Die Schlachtung ist leider ebenso wenig artgerecht: Sie werden stundenlang in engen und meist nicht klimatisierten Lastwägen ohne Futter oder Wasser transportiert. Wenn sie das überlebt haben, werden sie betäubt, wobei die gängigen Methoden leider nicht hundertprozentig zuverlässig sind. Das heißt, einigen Tieren wird bei vollem Bewusstsein die Kehle aufgeschlitzt.

Es geht aber auch anders! 

Wenn Ihr etwas an der aktuellen Situation ändern wollt, solltet ihr euch auf jeden Fall gut darüber informieren, wo die tierischen Produkte, die ihr kauft, herkommen. Beispielsweise könntet ihr euch bei eurem Metzger erkundigen, ob er sein Fleisch aus ökologischer oder konventioneller Landwirtschaft bezieht oder besser gleich beim nächsten Bauern nachfragen, ob ihr ihm direkt Fleisch, Eier oder Milch abkaufen könnt. 

Und wie ihr sicherlich auch schon bemerkt habt, steigt die Nachfrage nach BIO-Produkten immer mehr, was bedeutet, dass immer mehr Menschen anfangen, über ihren Konsum nachzudenken. Das ist eine tolle Entwicklung - trotzdem gibt es noch viel, sehr viel zu ändern. MACH MIT!

Isabella Bria und Elisabeth Hamel