Maiswüste statt Feldvielfalt - Größenwahnsinn in der Landwirtschaft

Nur durch die moderne Landwirtschaft ist es möglich, dass wir immer genügend Brot, Fleisch und Milch auf dem Tisch haben. Arbeitsschritte, die früher von vielen Helfern mühselig per Hand durchgeführt werden mussten, werden heutzutage schnell und einfach von großen Maschinen wie Traktoren oder Melkmaschinen ausgeführt. Da man somit weniger Arbeiter bezahlen muss, sind landwirtschaftliche Produkte um einiges billiger geworden – doch was gut für unseren Geldbeutel ist, verursacht leider große Schäden in der Biodiversität bzw. Artenvielfalt.

Platzmangel mit Folgen
Um die steigende Nachfrage nach möglichst günstigen Lebensmitteln befriedigen zu können, muss natürlich auch immer mehr produziert werden. Dazu braucht man mehr Platz zum Anbauen von Weizen, Roggen, Gerste oder Mais. Vorhandene Äcker werden voll ausgenutzt und die Samen so dicht wie nur möglich gesät, sodass andere Gräser oder Ackerwildkräuter kaum eine Chance zum Überleben haben. Meistens wird auf einem Feld über Jahre hinweg nur eine einzige Sorte Getreide angebaut, was man in der Fachsprache Monokultur nennt. Dem Boden werden durch die einseitige Nutzung verstärkt Nährstoffe entzogen, und dieser Verlust muss dann durch Dünger wieder ausgeglichen werden. Auch der Einsatz von Pestiziden ist sehr problematisch: Sämtliche Insekten werden vernichtet, wodurch auch viele Vögel, wie zum Beispiel die Feldlerche oder das Rebhuhn, eine wichtige Nahrungsquelle verlieren.

Verlust von wichtigen Lebensräumen
Da die meisten Landwirte nach immer größeren Äckern streben, um natürlich zum einen mehr produzieren können, zum anderen aber auch, damit sich die immer größer werdenden Maschinen auch lohnen, werden oft angrenzende Hecken und Ackerraine (Begrenzungsstreifen zwischen den Äckern) beseitigt. Viele wertvolle Lebensadern gehen dadurch verloren. Die Goldammer zum Beispiel nistet in Hecken und benötigt zur Brutzeit vorwiegend Insekten. Sie ist damit ein natürlicher Schädlingsbekämpfer, den die Landwirte aber von ihren Feldern durch die Beseitigung der Heckenstruktur verbannen. In den Randstreifen und Rainen, die den Übergang zwischen Acker und Wiese, Wald oder Straße bilden, finden zahlreiche Schmetterlinge und Bienen ihre Nahrung und auch Hasen, Rebhühner und Fasane schätzen das hohe Nahrungsangebot, das aber leider immer seltener zur Verfügung steht. Deshalb müssen diese Tiere sich in andere, nicht landwirtschaftlich genutzte Gebiete zurückziehen.

Biogasanlagen – wirklich Bio?
Aber Moment mal! Auch diese Gebiete werden ja immer weniger, denn neue Ackerflächen werden auf Kosten dieser Rückzugsräume angelegt! Schuld daran ist unter anderem die Biogasanlage. Biogasanlagen erzeugen Energie durch das Vergären von pflanzlichen Produkten, zum Beispiel von Mais. Dabei werden riesige Mengen an Mais benötigt, die bis zu dreißigmal mehr Platz einnehmen als eine Photovoltaikanlage, die die gleiche Menge Strom wie die Biogasanlage produzieren könnte. Dennoch hat die Anzahl der Biogasanlagen in Bayern in den letzten Jahren stark zugenommen: Waren es 2009 noch rund 1600 Stück, sprang ihre Anzahl im Jahr 2010 schon auf über 2000! Deutschlandweit werden heutzutage 19% aller Ackerflächen nur für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Der Staat unterstützt die Biogasanlagen mit Förderungen und trägt somit zur Entwicklung der Monokulturen in der Landwirtschaft bei, durch die die Artenvielfalt so gefährdet wird.

Laura Soffel & Natascha Hendel