Die Abhängigkeit vom schleichenden Gift – Gentechnik

Mit dem rapiden Bevölkerungsanstieg in den letzten 100 Jahren hat sich die Ernährungssituation großer Bevölkerungsteile der Welt dramatisch zugespitzt. Große Saatgutkonzerne versprachen gegen Ende der 1980er Jahre die Lösung des Welt-Hungerproblems: Gentechnisch veränderte Nutzpflanzenzüchtungen. Die neuen, effektiveren Züchtungen würden den Armen und Hunger Leidenden helfen und gleichzeitig mit weniger Gifteinsatz auskommen, hieß es.

Doch was ist dran, an den schönen Versprechen?

Die Agrokonzerne verkaufen den Landwirten ihr gentechnisch verändertes Saatgut, zusammen mit dem dazugehörigen Unkrautvernichtungsmittel. Die argentinische Sojabohnenproduktion zum Beispiel verwendet genmanipuliertes Saatgut mit dem Namen „Roundup-Ready“ des US-Saatgutkonzerns Monsanto. Dieses Saatgut ist gegen das Pflanzenschutzmittel „Roundup“ mit dem Wirkstoff Glyphosat, welches ebenfalls von Monsanto stammt, resistent. Wird „Roundup“ nun auf dem Acker ausgebracht, soll das Gen-Soja überleben und alle andern unerwünschten Beikräuter absterben. Diese Roundup-Ready Technologie führt somit zur vollkommenen Abhängigkeit der Landwirte von nur einem Pflanzenschutzmittel.

Die dauerhafte Nutzung von nur einem Herbizid bringt gravierende Nachteile mit sich. Mit der Zeit breiten sich Wildkräuter aus, die gegenüber dem Spritzmittel resistent sind. Es entwickeln sich so genannte „Superunkräuter“. Auch führte der immer großflächiger und weiter verbreitete Anbau zu einer starken Zunahme von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten, die sich auf die neu gezüchtete Sorte spezialisiert haben. Dagegen hilft schließlich nur noch – entgegen der ursprünglich verheißungsvollen Versprechen der großen Saatgutkonzerne – eine vermehrte Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.

Geniale Machtstrategie der großen Konzerne
Vier große Saatgutkonzerne beherrschen mittlerweile den weltweiten Saatgut-Markt: Monsanto, DuPont, Syngenta und Dow. In ihrem Verkaufsangebot stehen nur wenige Sorten. Ehemals besaß fast jeder Bauer sein eigenes Saatgut, die Vielfalt war riesig. Doch immer mehr Landwirte sind in den Teufelskreis der hoch gepriesenen GVO-Saaten (GVO steht für Gentechnisch Veränderter Organismus) geraten. Bei den ausgesäten Pflanzen handelt es sich um patentiertes Saatgut. Dieses Patent verbietet es den Landwirten, aus der eigenen Ernte Samen fürs nächste Jahr zu gewinnen und macht diese damit direkt abhängig von den großen Konzernen. 

Die Vielfalt an Sorten schwindet dahin. Das ist besonders kritisch, da das lokale Wissen um alte Sorten, die oftmals besser an die natürlichen Gegebenheiten angepasst sind, unwiederbringlich verloren geht.

Durch die Patentierung gelingt es den Saatgutherstellern, das Monopol für Saatgut auf dem Weltmarkt einzunehmen. So können sie der Welt diktieren, was zu welchen Preisen und Bedingungen produziert und vermarktet werden soll.

Genfood gegen Hunger?

Das Versprechen, den Welthunger mit der Gentechnik zu bremsen, hat sich bislang auch nicht erfüllt. Arme Kleinbauern sind durch die Patentierung des Saatgutes und die immensen Kosten für passende Pflanzenschutzmittel hoch verschuldet. In Argentinien werden die Anbauflächen, auf denen einst Weizen, Mais, Sonnenblumen, Hirse, Reis, Bohnen oder das Viehfutter für den Eigenbedarf angebaut wurden, in riesigen Monokulturen umgewandelt und vollständig für den Sojaanbau genutzt (Anbaufläche 1953: 18 Mio ha, 2003: 33 Mio ha). Dieses argentinische Soja ist im Wesentlichen für den Export bestimmt, der größte Teil wird als Sojaschrot für die Tier-Massenproduktion verwendet. Doch die Landbevölkerung profitiert nicht – im Gegenteil: der Anbau von GVOs führt sogar zu einer Verschärfung der Welthungersituation.

Christiane Geidel. Nadja Raude