Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf das alltägliche Leben

Kyoto-Protokoll, CO2-Emissionen, Klimawandel – jeder hat diese Begriffe schon einmal gehört, und dennoch ist vielen unklar, was sich dahinter verbirgt, oder ob sie für uns überhaupt von Bedeutung sind. Aber haben diese Begriffe mit unserem alltäglichen Leben wirklich nichts zu tun? Früherer Brutbeginn bei Zugvögeln, Hochwasser an Donau und Elbe, fehlende Schneesicherheit in Skigebieten: die Zeichen des Klimawandels sind auch bei uns schon erkennbar, und die zu erwartenden Folgen werden uns alle betreffen.

In Europa ist die Temperatur im Laufe des 20. Jahrhunderts bereits um fast 1°C gestiegen – die neun wärmsten Jahre seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland lagen zwischen 1995 und 2005. Und bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird ein weltweiter Temperaturanstieg um 1,4° bis 5,8°C vorhergesagt. Das ist die schnellste Erwärmung des Klimas seit 10.000 Jahren, und die Folgen werden auch bei uns dramatisch sein.

Ursache für den Klimawandel ist der vom Menschen hervorgerufene Treibhauseffekt. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt – Gase in der Atmosphäre lassen die Sonnenstrahlen ungehindert passieren, verhindern jedoch durch Absorption das Entweichen der Wärmestrahlung zurück in den Weltraum – wäre menschliches Leben auf der Erde wohl kaum möglich. Zu diesem somit ja für uns positiven Effekt kommt der anthropogene (vom Menschen hervorgerufene) Treibhauseffekt. Die sogenannten Treibhausgase werden v.a. bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie in der Landwirtschaft freigesetzt und verstärken die natürliche Aufheizung der Atmosphäre. Seit Beginn der industriellen Revolution (etwa Mitte des 19. Jahrhunderts) ist der Gehalt von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre um etwa 28 %, der von Methan (CH4) um 145 % und der von Lachgas (N2O) um ungefähr 13 % angestiegen. Auch weitere Stoffe tragen zum Treibhauseffekt bei, durch den sich die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde erhöhen. In der Folge schmelzen die Eiskappen der Pole und die Gletscher in den Gebirgen, verändert sich der Wasserkreislauf, nehmen Hurrikane und andere Extremereignisse zu.

Erste Zeichen: Hochwasser und Hagelschäden

Das öffentliche Interesse am Klimawandel wurde bei uns v.a. mit den Hochwasserereignissen an Elbe und Donau in den Jahren 2002, 2003 und 2006 geweckt. Allein das Elbehochwasser 2002 hat Schäden von ca. 9 Milliarden Euro gefordert und 20 Menschenleben gekostet. Die durch den Klimawandel hervorgerufene Zunahme von Starkregenereignissen und bestimmter Großwetterlagen gilt zumindest als ein Mitverursacher von Extremhochwasser. In Zukunft dürfte sich dies aber ändern. Augenfällig wird sich der Klimawandel in der Landwirtschaft äußern. Unterschiedliche Temperatur- und Niederschlagsbedingungen führen dazu, dass Nutzpflanzen in ihren derzeitigen Anbaugebieten nicht mehr so gut wachsen können wie bisher, sich andererseits aber heute eher zu kühle oder feuchte Regionen durch die Veränderungen für landwirtschaftliche Nutzung besser eignen werden. So werden z.B. in Brandenburg aufgrund verstärkter Hitze und Trockenheit im Sommer die Maiserträge stabil bleiben oder leicht steigen, während die Ernte beim Winterweizen sinken wird: Es werden sich also Vor- und Nachteile ergeben, je nach angebauten Nutzpflanzen. Im Südwesten Deutschlands, wo die Klimaerwärmung den Prognosen nach besonders stark sein wird, werden unsere althergebrachten Apfelsorten wohl bald durch für wärmere Gebiete gezüchtete ersetzt werden – wird der Boskoop bald zur Seltenheit? Überall wird die landwirtschaftliche Nutzung durch häufigere Unwetter oder durch Schädlinge, die aus wärmeren Gebieten zu uns einwandern, Einbußen erleiden. Die Folgen hiervon sind bislang jedoch kaum vorhersehbar.

Skigebiete – Vom Aussterben bedrohte Naherholung?
Aber auch viele Wirtschaftsbereiche stehen vor großen Veränderungen. Skigebiete im bayerischen Alpenraum? Die Grenze für Schneesicherheit in den bayerischen Skigebieten wird bis 2050 auf ca. 1500 bis 1800 m steigen – das ist das Aus für den Großteil der bayerischen Wintersportgebiete. Damit nimmt der Druck auf die höher gelegenen Skigebiete der Alpen – und damit auch Natur und Umwelt in diesen Bereichen – zu. Gleichzeitig wird klar, dass der derzeitige Ausbau von Skigebieten und der verstärkte Einsatz von Beschneiungsanlagen, wie z.B. in Garmisch-Partenkirchen geplant, nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch keinen Sinn macht und nur das frühzeitige Umstellen auf umweltverträglichere Varianten des Tourismus verhindert.

Mit einigen der erwarteten Veränderungen werden wir wohl zurechtkommen können, vielleicht zum Teil sogar von ihnen profitieren, z.B. teilweise in der Landwirtschaft. Zum Problem wird jedoch die steigende Häufigkeit von Naturkatastrophen. In den Alpen wird es zu mehr Fels- und Bergstürzen kommen, da der Dauerfrostboden sich in höhere Lagen zurückzieht und somit Gebirgsstöcke an Stabilität verlieren. Auch Überschwemmungen werden wohl häufiger werden: Zur Zeit noch sichere Siedlungsgebiete werden nur durch teure Maßnahmen vor Hochwassern geschützt werden können. Die Folgen des Klimawandels sind also vielfältig – v.a. auch die wirtschaftlichen Folgen. Gemäß einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung werden die weltweiten volkswirtschaftlichen Schäden um 2050 bereits 2 Billionen US-Dollar erreichen, davon in Deutschland 137 Milliarden. Geld das zur Folgenbekämpfung in anderen Regionen der Erde aufgewendet werden könnte.

Besonders brisant: die Folgen in Entwicklungsländern
Denn eins ist klar: während wir in Deutschland bzw. in den Industrienationen (die für 80 % der Treibhausgasemissionen im letzten Jahrhundert verantwortlich sind) den Folgen des Klimawandels vermutlich insgesamt ganz gut Herr werden können, ist dies in weiten Teilen der Erde nicht so. Die Menschen in Entwicklungsländern – und dort vor allem die Armen – werden ungleich stärker betroffen sein. Das liegt vor allem daran, dass der Großteil der Entwicklungsländer stark von der Landwirtschaft und damit den klimatischen Bedingungen abhängt. Häufig bilden nur sehr wenige Produkte die wirtschaftliche Grundlage, wie z.B. der Anbau von Kaffee in Uganda. In vielen Regionen führen extreme Dürren schon heute zu schweren Ertragseinbußen bei Ackerbau und Viehzucht, und die Menschen haben meist keine Möglichkeit, auf den Anbau anderer Produkte auszuweichen. 

Daneben fehlen in diesen Ländern die Mittel und die Infrastruktur für die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen. Besonders betroffen werden Menschen in Küstennähe sein: in Bangladesch, Indien und China sind gerade die bevölkerungsreichsten und auch wirtschaftsstärksten Regionen dem Risiko des Meeresspiegelanstiegs ausgesetzt. Stiege der Meeresspiegel um einen Meter – die derzeitigen Prognosen gehen von einem Anstieg von neun bis 88 Zentimeter bis 2100 aus – würde die Hälfte von Bangladeschs Reisfeldern untergehen. Dies allein ist dramatisch – aber: wo würden die Millionen Menschen, die ihre Heimat verlieren, unterkommen? Schon 1999 gab es weltweit mehr Umwelt- als Kriegsflüchtlinge, und jährlich sterben bereits jetzt 150.000 Menschen an den Folgen des Klimawandels (z.B. Dürren, Missernten, Wetterkatastrophen).

Deshalb: Klimaschutz – Investition in die Zukunft!

Der Klimawandel stellt eine existenzielle Bedrohung für viele Menschen dar. Je höher die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre, desto schwerwiegender werden die Probleme. Stoppen lässt sich der Klimawandel nicht mehr, dazu reagieren die natürlichen Systeme zu träge auf die bereits in die Atmosphäre gelangten klimawirksamen Gase. Somit sollten wir bereits jetzt Vorkehrungen treffen, um uns an seine Folgen anzupassen, überall auf der Welt. Und vor allem: wir müssen versuchen, den Klimawandel so weit wie möglich einzuschränken. Wenn es gelingt, die weltweite Temperaturerhöhung unter 2° zu halten, würden die Änderungen vermutlich noch in den Grenzen bleiben, die schwerwiegende Auswirkungen verhindern.

Notwendig ist also eine rasche Verminderung von Treibhausgasen weit über die bisherigen Ziele hinaus. Freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft reichen dafür wohl nicht, sondern staatliche Regelungsmechanismen sind gefragt. Mittelfristig müssen wir von fossilen Energieträgern vollkommen wegkommen und unsere Energie aus regenerativen Quellen beziehen. Ganz wichtig aber ist eines: es gilt, unseren Energieverbrauch erheblich zu reduzieren – und hier ist jeder Einzelne gefragt. Ein erster Schritt, den jeder machen kann, ist, seinen persönlichen Energieverbrauch, sei es beim Gebrauch elektrischer Geräte zu Hause oder durch die persönliche Mobilität, zu verringern – um letztlich mehr Lebensqualität für alle zu gewinnen. Klimaschutz ist keine Belastung, sondern eine notwendige Investition in eine Welt, die auch für spätere Generationen noch lebenswert ist.

Gerhard Overbeck